In Ettiswil liegt eine Kiesgrube, die immer noch in Betrieb ist. Gleich daneben ist heute ein wertvolles Naturschutzgebiet. An diesen beiden gegensätzlichen Orten wird Anfang Mai ein Musikspektakel aufgeführt – unter anderem vom Männerchor Wolhusen.

Vier Männerchöre (aus Wolhusen, Ettiswil und Willisau) mit rund 100 Sängern machen beim Projekt «Blick ins Steinreich» mit. Sie verbinden musikalisch Industrie und Natur, die in Ettiswil so nahe beieinander liegen. Und zeigen auf, wie sich die Kiesgewinnung entwickelt und die Landschaft verändert hat.

Wo heute das Naturschutzgebiet ist, war früher ebenfalls eine Kiesgrube. (Foto: ZVG)

Auf die Besucherinnen und Besucher wartet ein spezielles Erlebnis. Zuerst flanieren sie über die kleinen Wege im Naturlehrgebiet. An verschiedenen Orten ist Musik zu hören. Mehrere Gruppen von Sängern und Instrumentalisten verwandeln nämlich idyllische Naturnischen in kleine Szenerien.

Die Zuschauer erwarten gespenstische Szenen, wenn es dunkel wird. (Foto: ZVG)

Nach Einbruch der Dunkelheit sind dann plötzlich Maschinengeratter, kreischende Förderbänder, Schritte auf dem lockeren Kiesboden und Menschenstimmen zu hören, nebenan in der neuen Kiesgrube. Grubenarbeiter schuften dort – und singen. Ihre Melodien mischen sich mit den Geräuschen der Maschinen. Gespenstisches Leben füllt die Kiesgrube. Mit Lichtkunst und professionellen Sound-Design werden diese Eindrücke verstärkt und sorgen für ein ganz spezielles Erlebnis.

Am Ende sind wieder leisere Töne zu hören. Vögel und Frösche erhalten ihren Lebensraum zurück. Und damit keimt Hoffnung auf, dass auch in der neuen Kiesgrube eines Tages die Natur wieder die Oberhand zurückgewinnt.

Die Männerchöre bei der Probe in der Kiesgrube. (Foto: ZVG)

Die Kosten für das Projekt betragen rund 100’000 Franken. Die Hälfte davon steuert die Albert Koechlin Stiftung bei. Für die Aufführungen stellt die Betreiberin der Kiesgrube, die Kigro, den Betrieb einige Tage vorher ein. Vor Ort werden bereits vorher mehrere Proben mit dem gesamten Chor stattfinden. In den vier Männerchören wird bereits seit Januar geprobt.

Die neue Kiesgrube in Ettiswil (Bild: ZVG)

Das Projekt ist auch ein Versuch, wieder mehr junge Männer für das Mitsingen in einem Chor zu begeistern. Denn viele haben ein Nachwuchsproblem. Die Kiesgrube Ettiswil scheint der passende Ort um aufzuzeigen: “Verstaubt” wie die Kiesgrube sind die Männerchöre definitiv nicht.


ZEITLICHER ABLAUF

Flyer Blick ins Steinreich