Rund 50 Personen arbeiten bei der Gemeinde Wolhusen. Eine davon stellen wir heute vor: Irene Rogenmoser. Sie ist Leiterin des Bereichs “Soziales und Gesundheit”.

Irene Rogenmoser, welches sind Ihre Hauptaufgaben?
Nicht alle Menschen, die in Wolhusen wohnen, können den Alltag ohne Hilfe bewältigen. Es geht zum Beispiel um Menschen ohne Arbeit, Flüchtlinge, überforderte Eltern oder Menschen mit einer Beeinträchtigung. Ich bin dafür verantwortlich, dass alle, die es nötig haben, angemessen unterstützt werden.
Es geht einerseits um eine finanzielle Unterstützung, andererseits auch um persönliche Beratungen. Oft vermittle ich Personen an Fachstellen weiter, zum Beispiel an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), das Sozialberatungszentrum (SoBZ), an die Fachstelle für Schuldenfragen oder die Frauenzentrale.
Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit?
Den Kontakt zu den Menschen. Es ist oft schwierig, das Vertrauen von Personen zu gewinnen, die Hilfe brauchen. Nur so kann aber eine gute Lösung gefunden werden. Weiter schätze ich die Zusammenarbeit mit den Sozialvorstehenden Amt Entlebuch und Ruswil. Wir tauschen uns regelmässig über komplexe Fälle aus und mein Wissen wird dadurch ständig erweitert. Natürlich schätze ich auch das gute Klima in der Wolhuser Gemeindeverwaltung sehr. Ich schätze so Vieles an meiner Arbeit, das zeigt auch die 20-jährige Tätigkeit für die Gemeinde Wolhusen.
Wie hat sich Ihre Arbeit in dieser Zeit verändert?
Die Fälle in der wirtschaftlichen Sozialhilfe sind komplexer geworden. Früher fehlte oft der Mut, sich zu melden. Dabei wäre es besser gewesen, sich sofort zu melden, um Schlimmeres zu vermeiden. Heute ist das kaum mehr der Fall. Die Sozialhilfe hat sich etabliert und ist selbstverständlich geworden.
Bis 2012 war ich noch für das Vormundschaftswesen zuständig. Diese Arbeit hat mich sehr gefordert und man musste immer während 24 Stunden einsatzbereit sein. Hie und da gab es Einsätze an den Wochenenden oder in der Nacht. Mit der Einführung der KESB gab es diesbezüglich eine Entlastung.
Wenn Sie auf diese lange Zeit zurückblicken: Was waren Ihre Highlights?
Ich hatte einen sehr happigen Start. Kaum wurde ich Sozialvorsteherin, gab es einen Brand in einem Mehrfamilienhaus mit Asylsuchenden und Flüchtlingen. Nur wenig später gab es einen Felssturz im Gebiet Bahnhof. In beiden Fällen mussten Menschen evakuiert werden und ich musste kurzfristig entscheiden, wo die Menschen untergebracht werden können.
Die Solidarität damals war eindrücklich. Wer im Einsatz war, erhielt um 3.00 Uhr morgens im Restaurant Wurst und Brot. Und Menschen aus dem Dorf betreuten spontan Betroffene und statteten sie mit Kleidern aus. Das machte mich stolz, Wolhuserin zu sein.
Weitere Highlights sind für mich die Verwaltung der Liegenschaften Gütsch während 20 Jahren, die neun Jahre als Sozialvorsteherin im Gemeinderat und die Auszeichnung von Wolhusen als «kinderfreundliche Gemeinde». Oder auch die Einführung der Spielgruppen mit Sprachfrühförderung mit Angliederung an unsere Schule.
Sicher haben Sie auch weniger schöne Geschichten erlebt, die Ihnen besonders ans Herz gegangen sind…
Die Morde am Sozialvorsteher von Escholzmatt (2004) und an der Sozialvorsteherin von Schötz (1997). Bei unserer Arbeit haben wir es oft mit emotionalen Fällen zu tun, zum Beispiel wenn Kinder notfallmässig fremdplatziert werden oder Frauen zu ihrem Schutz in ein Frauenhaus gebracht werden. Diese Situationen erfordern von uns viel Feingefühl und bedeuten eine grosse psychische Belastung. Es ist wichtig, dass wir unser Verhalten gegenüber unseren Klienten immer wieder reflektieren. Wie komme ich an? Konnte ich mich zurückhalten? Sich auch mal zu entschuldigen gehört dazu. Ich habe Kurse zum Thema besucht und auch einen Kampfsportkurs. Wir sind uns täglich unserer Gefahr bewusst und versuchen, damit umzugehen. Weil die Polizei im gleichen Haus ist, fühlen wir uns sicher.
Sehr wichtig sind als Ausgleich meine Familie und meine Hobbys, vor allem das Volleyball. Da kann ich mich austoben und gute Freundschaften pflegen.
Kehren wir zurück in die Gegenwart. Mit welchen Herausforderungen sind Sie momentan konfrontiert? 
Mit vielen Menschen, die nicht aus ihrer Notlage herauskommen und kaum in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Man fühlt sich hilflos, wenn es diesen Menschen immer schlechter geht. Ich möchte vermehrt unser Gewerbe dafür gewinnen, solche Menschen anzustellen, auch Asylsuchende und Flüchtlinge.
Häufig müssen wir bei der Sozialhilfe Kürzungen verfügen. Das führt manchmal zu Wutausbrüchen und respektlosem Verhalten – oder sogar zu Haftstrafen. Diese Menschen zu sensibilisieren, dass es sich bei der Sozialhilfe um eine Nothilfe und nicht um Lohnzahlungen handelt und dass sie auch auf dem Sozialamt Leistungen erbringen müssen, wird immer schwieriger.
Weiter wollen wir die Massnahmen aus dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» umsetzen und Betreuungsgutschriften einführen. Und die Integrationskommission, welche mangels Mitglieder zurzeit sistiert ist, soll wieder eingesetzt werden.

Infos und Bild: Gemeinde Wolhusen